Auf der Suche nach unterschiedlichen
Klängen
Tuners in Trinidad, Tuners in Amerika, in England, in Südafrika, in der
Schweiz, in Deutschland, Dänemark.... Was kommt wohl noch alles auf mich zu?
Finnland natürlich! Nachdem ich Ari Viitanen in Trinidad interviewt habe
(Panyard 3/93), dachte ich: Das wär's von der finnischen Seite. Falsch
gedacht! Esa Tervala weilte zum zweiten Mal in der Schweiz, arbeitete in der
PANArt in Bern und stelle sich meinen Fragen.
Von Werner Egger
Panyard
(P): Esa, bevor Du etwas von Steelpans gehört hast, warst Du professioneller
Musiker (Gitarre, Gesang). Wie hast Du das Pan entdeckt?
Esa (E): ich glaube das war im Jahre 1982. Ich lebte zu dieser Zeit in
Schweden. Ich spielte mit einer Band in verschiedenen Bars, verdiente mein
Geld durch den Tag mit Tellerwäscherei und anderen Dingen. Eines Abends
hatten wir frei, mussten nicht spielen. Irgendwo spielte eine Band, deren
Instrumentarium ein Steeldrum beinhaltete. Zuerst achte ich an eine Trommel.
Als die Band spielte, wollte ich die Trommel hören, doch es war ein Pan, ein
Double Second Pan.
Lester Jackman von Trinidad gab dort ein kleines Konzert. Ich war fasziniert
von diesem Instrument. Nach etwa zwei Jahren ging ich zurück nach Finnland
und fand ein Buch von Peter Seger. Ich baute nach seinen Anleitungen meine
ersten Pans.
P: Wie würdest Du die Situation in Finnland nun beschreiben? Besteht eine
Nachfrage nach Pas? Wäre dies wie an vielen anderen Orten eine Marktlücke?
E: Wenn Du Pans in Musikläden zu günstigen Preisen anbieten würdest, wären
diese wohl schnell verkauft. Egal welche Qualität. Doch wenn der
wirkliche Preis für ein Pan bekannt ist, sind die Leute nicht interessiert.
Nicht einmal Musiker.
P: Hat das Pan in Finnland eine Zukunft und wenn ja, wo siehst Du sie?
E: Im Moment bin ich eher pessimistisch. Einen Grund, dass das Pan in
Finnland nicht Fuss fasst, ist für mich die Technologie. Es gibt Computer,
Musikprogramme usw. Die Leute gucken scheinbar gerne auf den Computer
Bildschirm.
P: Du hast mir erzählt, dass Du auch Trinidad besucht hast. Verschiedene
Tuners, Bands.... Ist für Dich Trinidad der Platz an dem es am meisten über
Pan zu lernen gibt?
E: In gewissem Sinne ja. Trinidad ist Geburtsort des Pans, dort gibt es eine
Pankultur. Aber nicht nur Pan, sondern auch Calypso, die ganze Parang
Bewegung usw. Die Kultur in Trinidad weisst einen grossen Reichtum an Musik
auf. Es ist immer eine bereichernde Erfahrung andere Tuner, Spieler oder
Bands zu sehen. Ich hatte Einblick in andere Panbautechniken als ich sie
anwende. Es hat mir somit viel gebracht.
P: Du erwähntest, dass Du nie am Panorama mitgespielt hast. Ist Panorama für
Dich ein Muss?
E: Panorama ist für mich überhaupt kein Muss. Natürlich reizt es mich, diese
Erfahrung einmal zu machen. Ich bin in dem Sinne nicht abgeneigt. In
Trinidad wurde mir öfters gesagt: Wenn Du beim Panorama nicht mitgespielt
hast, bist Du kein echter Panman! Ich akzeptiere diese Meinung. Doch wenn
ich nicht dazu komme, diese Prüfung zu absolvieren, dann halt nicht. Ich
habe nicht das Gefühl etwas verpasst zu haben.
P: Würdest Du Dich selber als professionellen Tuner bezeichnen oder eher als
Teilzeitarbeiter?
E: Ich bezeichne mich als ein professionellen Tuner.
P: Also stellst Du die ganze Zeit Pans her?
E: Ja. Ich erhalte wenig Aufträge, doch ich baue auch viele Pans für mich
selber, um quasi nicht aus der Übung zu kommen. So habe ich auch viele
wichtige Erfahrungen gesammelt.
P: Welcher Klang schwebt Dir vor? Welches ist Deine Idealvorstellung
eines Steelpans?
E: Welche Klänge? Ich bin auf der Suche nach verschiedenen,
unterschiedlichen Klängen. Für mich ist ein gutes Pan ausserdem ein Pan, das
einen grossen Tonumfang aufweisen kann.
P: Sterling Betancourt sagte einmal: Zuerst mussten wir das Pan zu den
Kindern bringen, um später dann auch akzeptiert zu werden. Wie denkst Du
über dieses Zitat?
E: Ich würde dies nicht zuerst auf die Kinder beschränken. Ich sehe in der
Schweiz viele Panspieler aus allen Altersschichten. Das finde ich sehr gut.
Darum sehe ich keinen Grund, das Pan zuerst einer bestimmten Gruppe
zuzuordnen.
P: Aber wenn Du eine Pankultur aufbauen willst, bringst Du das Pan doch
auch den Kindern, dem Nachwuchs. Oder wie siehst Du das?
E: Die Sache ist, dass ich in Finnland gar keine Pankultur aufbauen will,
verstehst Du? Ich will nur etwas präsentieren, etwas zeigen. wenn es Anklang
findet, dann ist es gut und die Kultur wird von selbst kommen. Wenn nicht,
dann eben nicht. Ich bin nicht unbedingt darauf aus eine Kultur aufzubauen.
Es ist die Sache des Volkes, dies zu tun.
P: Esa Tervala, vielen Dank für dieses Gespräch.
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