...and believe in the steelbands for
the next generations... (TAMBU 1988)
Was immer die Pan den Menschen bedeutet, sie ist auch ein Geschenk an die
Welt. Die Steelpanmusik in den frühen Jahren war eine kulturelle Bewegung,
die der Unterdrückung eigene Ausdrucksmöglichkeiten entgegen stellte. Die
heutige Panmusik Trinidads ist noch immer 'a big sound from a small people'.
Noch immer ist sie eine kulturelle Gegenbewegung, heutzutage vor allem gegen
Vorherrschaft und Neo-Kolonialismus der internationalen Multis der Rock- und
Popmusik. Doch fehlt ihr nach wie vor die internationale Wertschätzung der
Kultur- und Kunstschaffenden der verschiedensten Länder.
Der Glaube an eine weltweite Bewegung der Panmusik ist eine Illusion. Zu
gross sind die Unterschiede zwischen denjenigen, die sich für Musik und
Kultur interessieren und denjenigen, die die Steelpan auf Erfüllung von
Utopien und Träumen reduzieren. Zu gross sind die Rivalitäten zwischen
Bands, Arrangeuren und Tunern, zu gering die Solidarität. Zu weit liegen
Einstellungen, Ansichten und Philosophien der MusikerInnen und der
Schreibenden auseinander.
Ich kann und will keine Ratschläge erteilen, wie die Steelbands und die
Arrangeure Trinidads ihre Rivalitäten abbauen und ihr Ansehen bei Musikern,
Künstlern und Journalisten weltweit fördern könnten. Doch glaube ich zu
wissen, was wir, die Herausgeber und Schreibenden der Zeitschrift Panyard
für die Panmusik tun, und wie wir Solidarität mit einer kulturellen
Gegenbewegung aus einem armen Land ausdrücken können: Wir sollten alles
daran setzen, und zu verbessern.
Wir sollen bessere Artikel schreiben, mehr vom Erleben der Leute ausgehen,
keine Mythen mehr verbreiten, die Widersprüche und Dialektiken sehen, die
sich in allem zeigen, was Menschen und Kulturen je hervorbringen. Wir dürfen
das Wort nicht mehr Steelbands und Arrangeuren geben, die - uns und die
Zeitschrift missbrauchend - sich selbst anpreisen. Wir sollten Artikel,
Essays und Gedanken von Schriftstellern, Musikern und Musikologen
veröffentlichen. Und wir müssen diese Leute finden und sie fragen.
Sollten wir Erfolg haben, müssten wir uns abfinden mit den Bestreben, alles
auf Mittelmass zu reduzieren, indem wir elitär genannt würden. Kehren wir
die Sache doch um: Dies ist kein Vorwurf, sondern ein Kompliment.
Gerold Lotmar
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