Pan Power Bern
Mit Last und Lust an der Berner Fasnacht.
Endlich wieder einmal Pan gespielt! Am Puls des Pan zwei Nächte lang. Tanz,
Gesang, Poesie, Erschöpfung. Wer hätte das gedacht! Mit Menschen aus
verschiedenen Bands aus der Umgebung innerhalb sechs Wochen in solch ein
Karnevalfieber zu geraten! Mit dem Pan um den Nacken gehängt in die
Unterwelt. Von Felix Rohner
Die
ganze Sache hatte begonnen mit dem Bauen der Single Pans. Wir haben dazu die
leichten Motoresfässer der Pankathedrale verwertet. Eifrig sind die
PanspielerInnen an die Arbeit gegangen und haben das dünne Blech in die gute
Form getrieben. Ende Dezember waren schon gut 20 Single Guitars und Single
Seconds sowie Five-Note-Basses gebaut und gestimmt. In dieser Zeit hat eine
Gruppe sich daran gemacht Musik zu finden für die illustre Gruppe von 45
PanistInnen und PerkussionistInnen. Hans Businger hat uns den entscheidenden
Impuls gegeben: Musik aus dem Musical Cats. Wer kennt sie nicht! Wer steht
nicht wie eine Katze hinter dem Pan, um den Stick zur rechten Zeit am Blech
zu haben?! Bekömmliche Musik eines Europäers (Webber), raffiniert
verdichtet.
Im Januar haben wir begonnen, jeweils samstagnachmittags. Alles war bereit:
die Reifen, die Gürtel, erste musikalische Ideen, Speis und Trank, ein
Raum...
Um an die ursprüngliche Kraft dieses speziellen Instrumentes zu kommen, habe
ich die Leute an Tabus gebunden: das Pan immer um den Hals und keine
Notation auf Papier, wir üben nicht. Der Tanz konnte beginnen...
Eine spannende Entdeckung
Die Kinder spielten das erste Intro, die 15 Guitars begannen zu singen. Ein
Dutzend Bässe setzten ein, die Altos und dann die Tenorpans.
Hier geschah etwas, was die TenorspielerInnen nicht gerne hörten: Haben wir
Euch wirklich nötig? Was spielt ihr da oben? Wir entdeckten den Power der
Single Guitars und der Bässe, die dank dem dünnen Blech (0.8mm) ein
obertonreiches Klangbild ergaben, so dass die Tenors förmlich eingesogen
wurden. So kamen die Tenors zu den Tenors... War nicht das Tenorpan in den
40iger Jahren tiefer gestimmt? Zurück zu den Roots. Die TenorspielerInnen
wechselten auf die Altos, auf Bässe oder bauten sich ein Guitar. Die Musik
floss weiter. Welch ein gesanglicher Power die Guitars entwickelten mit
ihren einfachen Linien, runden Socaformen, erdigen Clavesrhythmen!
Die musikalische Entwicklung
Es war mein Anliegen, eine einfache Musik zu machen, kraftvoll und
musikalisch, die durch die Seelen der Spieler gegangen ist. Nur so versprach
ich mir eine Band, eine Katzenband mit Poesie, die nächtelang wird unterwegs
sein können. Die gemeinsame musikalische Schöpfung entpuppte sich zusehends
als kleine Symphonie mit Musikteilen verschiedener Dynamik. Die
Zusammenstellung und Verflechtung wurde diskutiert in den interessierten
Kreisen jeweils unter der Woche, Teile abgeändert und harmonisch angepasst.
Die Band am Samstag hatte das Chaos auszuhalten, in der Ferne ahnte man den
Kristall...
Eine Premiere von nicht zu unterschätzender Bedeutung
Die Cats Musik machte uns anfänglich Sorgen, da sie nicht auf unsere
harmonische Beschränkung Rücksicht genommen hat: Modulationen von höchster
Schönheit waren für uns verschlossen. Der Schlüssel dazu: Mit Magneten lässt
sich ein Pan zweitobertonmässig stimmen und dies von den SpielerInnen
selbst... Glaubst Du's? Versuch's! Von Fis nach F, von H nach B, nach As
wenn Du willst! Katzen sind voller Geheimnisse...
Die
Kostüme
Ob Blau, Grau, Weiss oder Schwarz - die Farbenwahl konnte nicht
weiterhelfen. Peter Fauser, unser Hofkünstler im Bereich des Schmucks,
stellte die Form seiner bereits kreierten Katzenmaske der Band zur
Verfügung. So tanzten wir von Steelwyl in die Stadt hinauf...
Die Tänzer und Tänzerinnen
Jeder Musikteil des gemeinsamen Werkes hatte einen Tänzer oder eine
Tänzerin, die vor der Band tanzten. Kam ein anderer Tänzer in die Runde,
wechselte die Musik. Sie waren somit die Regisseure, führten die Band durch
das carnevaleske Chaos in die Poesie. Das war mein erster Karneval und nun
raste ich.

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