So, dieses Ding hier ist also
unseres
Kenneth Roach beschreibt in seinem Text die Schwierigkeiten, den Pannists in
Trinidad einige grundsätzliche Definitionen der Standardisierung zu
vermitteln. Aus der kurzen Geschichte die er erzählt, lesen wir, dass es
nicht eine Frage der Bildung ist, sondern eine Frage der Didaktik. Von
Kenneth Roach
The Pannist (Der Panspieler)
In den Anfängen wurde das Panspielen in Trinidad immer mit der niedrigsten
Gesellschaftsklasse in Verbindung gebracht. Diese Kunst wurde missbillig als
Ausdruck der sozial Ausgestossenen betrachtet: Die aufstrebende Mittelklasse
erfreute sich daran nur halbherzig; die Oberklasse spottete über das
Steelpan. Während der Nach-Kolonialzeit (um 1956) begannen sich schliesslich
die verschiedenen Klassen mit dem Pan zu identifizieren. Dies sogar derart
stark, dass sich das Pan und der Karneval als Element des sozialen
Zusammenhaltes entwickelten. Auch heute noch bieten Pan und Karneval den
wichtigen, sozialen Kitt, welcher eine mehrrassige und multikulturelle
Gesellschaft (wie z.B. jene Trinidads) benötigt.
In ökonomischen Situationen wie der heuten bietet das Steelpan neue Wege für
arbeitslose wie für arbeitsunfähige Jugendliche. Dies, indem es eine Form
des Überlebens darstellt, ein Gefühl der Zugehörigkeit vermittelt oder eine
Verbesserung der Akzeptanz des Einzelnen in der Gesellschaft bietet.
Es ist daher nicht verwunderlich, dass einige Bands auf die Dienste von
professionellen Pannists zurückgreifen können, um während den Panorama
Wettbewerben auf einer guten Basis aufbauen zu können. Zum Beispiel Crack
Shot von der Band Curepe Scherzando ist einer dieser professionellen
Spieler. Dieser Mann lernt verzwickte Arrangements in weniger als einer
halben Stunde und behält sie die ganze Saison im Gedächtnis. Letztes Jahr
lernte er so nicht weniger als sieben komplexe Arrangements verschiedener
Bands.
Das Trinidad & Tobago Bureau of Standards führte 1992 eine wissenschaftliche
Untersuchung der Pan Instrumente durch. Während dieser Zeit nannte man die
beteiligten Forscherinnen und Forscher "Pan Doctors". Dies ist bis heute so
geblieben. Leslie Pichery, zum Beispiel, wurde von jemandem aus der Schweiz
mit Pan Doctor begrüsst.
Im November 1992 führte Curepe Scherzando ein Seminar in ihrem Lokal durch.
Das Thema war: "Heute ist das Pan unser Nationalinstrument - was heisst das,
was könnte das heissen?" Während der Pause wurde der Vertreter des Bureau of
Standards von Crack Shot angesprochen. Das Gespräch verlief folgendermassen:
Crack Shot (CS): So, dieses Ding hier ist also unseres. Wenn mich jemand
fragt, was ein Pan ist, da kriege ich schon einige Schwierigkeiten; also ich
weiss da schon eine Antwort, aber wenn mich dann eine andere Person dasselbe
fragt, kriegt er bestimmt eine andere Antwort.
Pan Doctor (PD): Aber wir haben doch eine Definition festgelegt. Weil man
nicht etwas standardisieren kann, ohne sich darüber einig zu sein, was man
überhaupt standardisieren will. Darum mussten wir eine Definition finden.
CD: Schiess los Doc, ich höre.
PD: Also, ich lese sie dir vor: "Das Steelpan ist ein Musikinstrument aus
Trinidad & Tobago stammend. Es ist ein Perkussionsinstrument mit definierten
Tonhöhen und wird den Idiophonen zugeordnet. Es wird traditionsgemäss aus
einem Spundfass (Steeldrum) aus Stahlblech oder einem Gebinde aus Stahlblech
(Steelcontainer) hergestellt. Die metallene Spielfläche ist konkav und wird
durch einen Mantel zusammengehalten. Die Spielfläche ist mittels Senken,
Gravuren und/oder Bohrlöchern in konvexe Sektoren unterteilt. Jeder konvexe
Sektor ist ein Ton, auf eine definierte Tonhöhe gestimmt. Die konvexen
Sektoren werden mit Pan-Schlegeln geschlagen, um Töne zu produzieren.
CS: Ich weiss, was Du tun solltest, Doc. Druck dies alles auf T-Shirts
und gib es den Panspielenden. Nach einiger Zeit werden sie alles auswendig
wissen. Genauso wie sie die Musik lernen.
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