Gibt es so etwas wie einen Panvirus?
Das Steelpan in der Staatsschule
In
der Schweiz gibt es nun schon ein Dutzend Lehrkräfte, die das Steelpan in
der Musikerziehung einsetzen. Die ersten Schulen, die Interesse an dem neuen
Instrument zeigten, waren zu Beginn der achtziger Jahre vor allem
Privatschulen wie die Heimschule Schlössli Ins (Steiner Schule) und die
Berntorschule Thun (Sekundarschule). Das Steelpan in die Staatsschule zu
tragen, war einiges schwieriger, stand man doch diesem unperfekten
Instrument skeptisch gegenüber und war nicht einfach bereit, in die Tasche
zu greifen, um die nötigen Batzen zu geben. Einer der ersten Lehrer der
Staatsschule, der voller Begeisterung in die Panarbeit eintauchte, war
Bernhard Jundt, hier in Bern bestens bekannt als Theatermann, der schon
viele Kinder zum lustvollen Theaterspielen geführt hat. Ich bin mit ihm
zusammen gesessen, um von ihm etwas über die Leiden und Freuden eines
Panmusiklehrers zu hören. Von Felix Rohner
Panyard (P): Morgen fahren 34 Schüler der Manuelschule nach München in
die Studios der ARD, um ihre Musik in einer Kindersendung (Disney-Club)
vorzustellen. Wie ist es dazu gekommen?
Bernhard Jundt (J): Ich interessierte mich für ein Musikstück, das in dieser
Sendung gespielt wurde, um es in Panmusik zu übertragen. Helfen konnten sie
mir nicht, luden uns aber ein, die Band gleich vorzustellen. Wir spielen
dort unseren Lambada mit 17 Panisten. Die Auswahl aus der grossen Anzahl hat
mir Kopfzerbrechen gemacht, aber mitreisen tun sie alle.
P: Wie hat sich die Steelbandarbeit seit Beginn entwickelt?
J: 1987 haben wir mit 8 oder 9 Schülern und Kollegen in einer Projektwoche
unsere Pans gebaut. Seither ist eine rasante Entwicklung zu sehen. In den
vergangenen Jahren haben immer wieder Schüler ihr eigenes Pan bauen können,
haben eines gemietet oder wir haben eine weitere Projektwoche
ausgeschrieben, um das Instrumentarium auszubauen. Heute gibt es drei
Steelbands, in denen 64 Schüler musizieren. Wenn man bedenkt, dass an
unserer Schule 260 Kinder unterrichtet werden, ist das ein beachtlicher
Prozentsatz. Das Interesse ist gross, obwohl viele andere
Freizeitaktivitäten angeboten werden. Das Freifach Steelband wird von der 6.
Klasse an angeboten. Im weiteren haben wir vor Jahren eine Lehrerband
gegründet, die RAFFINERIE Steelband. Wir haben sie aber bald geöffnet für
SpielerInnen ausserhalb der Schule. So ist sie zu einer Art Quartierband
geworden.
P: Ihr seid wie viele andere Steelbands in einem Zivilschutzraum
untergebracht.
J: Schritt für Schritt haben wir ihn ausgebaut. Von den Betten, die
anfänglich die Hälfte des Raumes belegten, siehst Du nichts mehr. Leider
müssen wir den Raum schliessen, da auch an dieser Schule viel kaputt geht,
und unbefugte Leute eindringen. Darum siehst Du die Fenstergitter.
P: Wie ist die Panmusik von Deinen Kollegen aufgenommen worden?
J: Nach anfänglicher Skepsis haben sie bald gemerkt, dass sich da etwas tut,
dass die Kinder begeistert mitmachen, in der Öffentlichkeit auftreten und
die Eltern dahinter stehen. Etliche Kollegen spielen ja mit, was eine solide
Unterstützung bedeutet. Natürlich gibt es eine kleine Minderheit, die sagt:
"Ja, ja, das ist ja lustig, was die da tun."
P: In der Schulreformdiskussion spricht man immer von der Trennung
Schule-Leben. Wie siehst Du Dich in diesem Spannungsfeld?
J: Man sieht mich oft als Hofnarr. Dies finde ich gar nicht so schlecht. Ich
habe den Freifachunterricht gewählt, um mehr Möglichkeiten zu haben, mit
Kindern lustvoll und mit Freude etwas zu tun. Ich habe die Schule zum Pan
gebracht. Voll integriert zu sein in einer Schule liegt für mich nicht mehr
drin. So bin ich auf der Seite des Lebens...
P: welche Schüler wählen das Freifach Steelband?
J: Es sind oft Kinder, die bis zur 6. Klasse noch kein Instrument spielen.
Man ha sie als unbegabt eingestuft. Sie erhalten mit dem Pan eine
Möglichkeit, doch noch ihre Musikalität zu entwickeln, und es zeigt sich
nicht selten, dass sie eben doch begabt sind. Da gab es einen Bass Spieler,
der das Time anfänglich überhaupt nicht halten konnte und die ganze Band
verunsicherte. Im dritten Jahr hatte er ein souveränes Gespür für die Musik
entwickelt! Eine Steelband ist eben wie ein Mannschaftsspiel, wo Du Dich
auch mal verstecken kannst oder an einem anderen Fass Deinen Beitrag gut
leisten kannst. So haben sie ein positives Erlebnis mit einem Instrument und
dies erst noch in einer Gruppe. Manche sagen, wir seien eine Pfadi Gruppe.
Ja, wir sind Jugendgruppen, wo jeder sich in etwas vertieft, wo Du zusammen
auftrittst, zusammen einen Umgang pflegst, wo der Lehrer nicht primär Lehrer
und der Schüler nicht primär Schüler ist. Ich bin Jundt und Annina ist
Annina. das finde ich sehr wichtig.
P: welche Musik spielt Ihr und wie gestaltet Ihr die Proben?
J: Wir spielen vor allem südamerikanische Musik, ab und zu auch
traditionelle karibische. Ich schreibe die Stücke, massschneidere sie auf
die Bedürfnisse der Gruppe, des Einzelnen zu. Nie brauche ich arrangierte
Musik oder dann in abgewandelter Form. Dieses Anpassen a die Möglichkeiten
der Gruppe braucht viel Arbeit, aber ich liebe sie. Oft beginnen wir die
Proben mit Harmonieübungen, hören aufeinander, welche Töne zusammen passen.
Den Spielern gebe ich Spickzettel mit den Notennamen, den Rhythmus bringen
wir dann mit Perkussionsinstrumenten ein. Klassische Musiklehrer werfen uns
oft skeptische Blicke zu. Ja, wir machen anfänglich Katzenmusik und nach
wenigen Wochen gehen wir hinaus und spielen wahrlich keine perfekte Musik!
P: Gibt es so etwas wie einen Panvirus?
J: Wenn Menschen die Möglichkeiten haben etwas hinein zu geben, einen
Ausdruck zu finden für ihre Gefühle, wenn sie ihre Energie, ihre Ideen
einbringen können, dann werden sie mit Freude spielen und sind dann
infiziert, wenn man so sagen darf. Dies könnte der Panvirus sein. Es gibt
diesen Virus aber auch in vielen anderen Bereichen!
P: Woran liegt denn die Attraktivität des Steelpans?
J: Diese vielfarbigen Pans mit ihren unterschiedlichen Beulen! Jedes anders!
Ein Pan selber zu bauen, welches Erlebnis! Dann damit schöpferisch sein!
Dies ist etwas anderes, als mit den Orff Instrumenten zu arbeiten. Das Pan
ist sicher in Gefahr, wenn es von der Schule vereinnahmt wird.
P: Hat Dich das Pan verändert in Deinem Schulalltag?
J: Ich habe gelernt, dass Lebendige, das aus dem Pan herauskommt, zu
verteidigen. Oft gibt es Lärm, Unruhe im Haus. Damit musst Du rechne. Ich
nehme nicht mehr soviel Rücksicht wie früher. Wir sind froh für den Raum im
Sous-sol, mein Traum wäre aber eine Kulturhalle, so wie die Sportler eine
Sporthalle haben, oder eine Baracke 50 Meter vom Schulhaus entfernt, das
wäre ideal!
P: Wie sieht die finanzielle Seite aus?
J: Wir haben eine Bandkasse, die von Auftritten gespiesen wird. Damit
bezahlen wir das Stimmen oder erstehen Pans. Wenn die Kasse leer ist, gehen
wir ins Sekretariat und betteln. Unser Vorsteher ist uns gut gesinnt, so
geht es immer wieder. Zu erwähnen ist der Gfeller Fond, der uns anfänglich
unterstützt hat. Als die Kürzung der Gelder für die Schule drohte, sind wir
prompt auf die Strasse gegangen und haben das Negerbegräbnis gespielt.
P: Gab es in Euren Gruppen auch soziale Konflikte die ausgetragen werden
mussten?
J: Hier im Steelraum merke ich davon kaum etwas. Ich weiss nicht woran es
liegt. Vielleicht lassen sie es draussen.
P: Wie steht es um die Zusammenarbeit unter den Steelbands an den
Schulen?
J: Es gibt leider wenig Zusammenarbeit. Es könnte besser sein. Vielleicht
hilft der Panyard, damit wir vermehrt voneinander hören.
P: Vielen Dank für das Gespräch.
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Bernhard Jundt
Teacher for Music
and TheaterBernhard Jundt is certainly one of the central persons of
school steelband music in Switzerland. He founded several steelbands in only
one school, including a teacher steelband with their own instruments.
He started some years ago, when the government of education of Berne came to
the conclusion that the steelpan is a good instrument, and that it would be
good to use it in music education at schools.
When Bernhard Jundt started, the school had not enough money to buy the pans
for regular prices. Therefore he took the kids to the pan factory, and the
kids and himself did the sinking on their own pans. So, the prices became
cheaper and it was possible to start the project 'steelbands at school'.
After some years playing with these bands, Bernhard Jundt is now starting
the next steelband project in another school.
We from the Panyard are sure, that this new beginning will be a success, and
we wish him good luck for his work with the kids on the pans.
Schoolbands in Switzerland
Sekundarschule Münsingen
Res Rthlisberger
Primarschule Boll
Hannes Mathys
Primarschule Work (Blackpan)
Thomas Bauer
Primarschule Alchenflüh
Beatrice Stengele
Gesamtschule Horboden,
Diemtigtal
Hans Reusser
Sekundarschule Wankdorf
Urs Straub
Primarschule Neuenegg
Franz Schweizer
Primarschule Muessmatt
Bernhard Jundt
Gymnasium Interlaken
Samuel Wenger
Primarschule Interlaken Ost
Toni Ryf
Primar/Sekundarschule Lyss
Mike Morgenthaler
Sekundarschule Frutigen
Michel Gilgien
Primarschule Ittigen
Fabian Raemy
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