Mit Fass und Pack nach Südfrankreich
Von den gemeinsamen Ferien letzten Frühling im Burgund waren alle so
begeistert, dass wir beschlossen haben, auch dieses Jahr zusammen zu
verreisen. Doch während wir letztes Jahr hauptsächlich Pan gespielt haben
(ca. 6 Stunden am Tag), verbrachten wir dieses Jahr eine gemütlichere Woche.
Wir unternahmen eine Reise nach Südfrankreich, in der vor allem die
Kameradschaft gepflegt werden sollte. Von Rebecca Schibli,
Tobago Rhythm
Kids, Mooslerau

Am Sonntag, dem 4. Juli um 00:40 Uhr war es dann endlich soweit: Die
Steelpans waren verstaut, gepolstert durch unsere Taschen, und alle 13
reisefreudigen Tobago Rhythm Kids hatten sich im blauen VW-Bus einen Platz
ergattert. Die Reise konnte beginnen.
Das anfängliche Geschwatze legte sich bald, denn es waren alle müde. Es
gelang jedoch keinem recht zu schlafen; es war sehr eng und unbequem und
bald drückte ein Rücken da und ein Po schmerzte dort. Wir fuhren die ganze
Nacht hindurch. Ab und zu gab es kurze Pausen, um sich die Beine
auszustrecken und sich einen neuen Platz zu sichern, in der Hoffnung, er sei
bequemer. Es hat mich beeindruckt, wie sich jeder um den andern kümmerte: Da
wurde einem seine Schulter zum Anlehnen angeboten, dort sorgte jemand, dass
niemand verhungert usw. Ich glaube, nur schon diese Fahrt brachte uns näher.
Wir waren schliesslich mehrere Stunden auf engstem Raum zusammen, so musste
jeder den anderen irgendwie akzeptieren.
Unsere Idee war, auf Campingplätzen Konzerte zu geben, um dadurch nichts für
die Übernachtung bezahlen zu müssen.
Das erste Mal versuchten wir unser Glück auf einem Zeltplatz am Fluss
Verdon. Als wir jedoch etwas von Steelband plapperten, verstanden sie nur
Bahnhof. Als wir ihnen aber eines unserer Instrumente vorstellten, zeigten
sie sofort Begeisterung. Wir konnten also unsere Fässer erstmals auf
französischen Boden stellen.
Über Lautsprecher wurden wir angesagt, so erschienen immerhin drei, vier
neugierige Gesichter, als wir zu spielen begannen. Langsam pilgerten immer
mehr Leute herbei und liessen sich nach und nach von der Musik anstecken.
Wir waren erstaunt, dass diese Art von Musik hier nahezu unbekannt war. Die
Zuhörer erkundigten sich aber anschliessend interessiert darüber. Wir waren
gut angekommen beim Publikum, obwohl wir relativ schlecht gespielt haben,
unserer Müdigkeit wegen.
Endlich erreichten wir das lang ersehnte Meer und machten auch gleich mit
dem kühlen Nass und seinem salzigen Geschmack Bekanntschaft.
Auf einem schönen, grossen Zeltplatz bei St. Tropez probierten wir, uns
erneut anzubieten. Auch dort gingen sie zaghaft darauf ein. Wir konnten
gleich zweimal spielen und drei Tage dort verbringen. Es war fantastisch.
Den Tag durch vergnügten wir uns am Strand, abends gaben wir die Konzerte.
Das gewiss schönste Konzert hatten wir am Mittwoch. Wir spielten vor einem
gemütlichen "Strand-Beizli" unter einem riesigen Strohdach im weichen Sand.
Unsere Steelpans harmonierten wunderbar mit dem rauschenden Meer und der
Vollmond passte ausgezeichnet in die ganze Idylle. Das Tüpfchen auf dem "i"
gaben die Palmen ab, welche das Restaurant schmückten. Welcher Romantiker
kommt dabei nicht ins Träumen?
An einem Nachmittag fuhren wir ins Grüne, stellten dort an einem schattigen
Platz unsere Steelpans auf und frischten alte Lieder auf.
Auf der Heimfahrt machten wir nochmals an der schönen Stelle am Verdon Halt,
die wir anfangs Woche entdeckt hatten. Wir stellten unsere Steelpans auf und
knipsten einige hochprofessionelle Fotos.
Anschliessend spielte einer nach dem anderen auf seinem Pan, während die
anderen horchten. Wir waren selber erstaunt, wie schön und speziell jedes
Instrument klang. Auch die älteren Drums, die wir schon für Schrott gehalten
haben, hatten etwas schönes an sich.
Ob jeder sein Steelpan am Klang erkennen würde???
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