The Pan Beaters by Stephen LandriganEin Pan Musical im Greenwich
Theatre, London
von Dominic Escher
Bis an diesem Samstagabend im Juli hatte ich nicht die leiseste Ahnung, dass
es so was geben könnte:
Ein Haus, gross, mit Balkon, eher protzig, unter dem Balkon ein grosses Tor,
auf der anderen Seite auch ein Haus, diesmal klein und einfach, mit Veranda,
dies die Kulisse. Davor die Bühne, in der einen Ecke Pans, Bass,
Double-Seconds, Lead... Ein Theater mit und über Pans, von, mit und über
Panmen und Panwomen. Wo sonst Hamlets Gemächer oder Tafelrunden die Blicke
auf sich ziehen, ein Panyard.
Es war als handelte es sich um alte Bekannte, welche angelockt durch den
Gesang des alten Rootsman, Rootsie genannt, in den Yard strömten. Junge
Trinis, sich scherzend und lachend die News des Tages erzählen. Wie immer
musste sich der Leiter und Arrangeur halb heiser schreien bis alle hinter
ihren Pans standen.
Der erste Calypso: "Konzentriert euch Leute, die Preliminaries stehen vor
der Tür."
Die Geschichte weckt Erinnerungen wach:
Ein ehrgeiziger junger Arrangeur, der hin und her gerissen ist zwischen
Eigeninteresse und Verantwortung gegenüber der Band.
Der alte Rootsman, eine Art karibischer Niklaus von der Flüe, der mit
Ratschlägen und Gesprächen vor materiellen Verlockungen warnt und allzu
Übermütige hinter die heiligen Fässer zurückschickt.
Der Vater des Arrangeurs, in New York reich geworden, will sich die Band,
und somit seinen Sohn, den er vor Jahren verlassen hat, kaufen.
Eine reiche, weisse Ehefrau aus den USA ist begeistert von den Pans und
stillt ihre Sehnsucht indem sie ein Verhältnis mit dem Arrangeur eingeht.
Anders als in der Oedipus-Tragödie stirbt zum Schluss der Sohn. Eine neue
Harley-Davidson und das Versprechen seiner Geliebten, ihm in den USA gute
Engagements mit berühmten Leuten zu verschaffen, versetzen ihn derart in
Aufregung, dass er, nachdem er zuvor mit seinem Vater gekämpft hat, einen
Selbstunfall verursacht und stirbt.
Die Steelband verhält sich während des ganzen Stück wie eine Art Chor, der
das Geschehen aus der Sicht der Gemeinschaft kommentiert.
Das Ende der Geschichte, die eigentlich vor allem eine Studie der
verschiedenen typischen Charakter und Tendenzen ist, die wohl in jeder
Steelband in ausgeprägter oder versteckter Weise vorkommen, und die das
soziale Gefüge auf Trinidad, eine Insel im "Vorgärtchen" der USA darstellt,
ist eigentlich völlig unspektakulär.
Dieser Schluss oder Anfang war für mich sehr stark, wahrscheinlich weil ich
ähnliches selbst erlebt habe und daran glaube.
Da das Panorama vor der Tür steht, wird trotz allem geübt, der Schmerz über
den Verlust des Panman fliesst über die Hände ins Pan, über das Pan in die
Welt, in den Himmel. Das Unfassbare wird Ton. Töne schweben und verweben
sich, entstehen und vergehen, werden wiederum erfasst, es entsteht eine
Wucht, eine Explosion, Kraft und mitten in der Band steht das einsame Pan
des Verstorbenen.
Was bleibt ist ein soziales Gefüge rund um Fässer, das einmal mehr einen
Sturm überstanden hat und sich auf den nächsten vorbereitet. Es lebe das
Pan-Musical!
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