Interview mit Heinz Gränicher, Panbauer und Tuner der Steelband
Fassduubeli
Vor 14 Jahren fand die Steelband Fassduubeli ihren Anfang. Diese Steelband
ist eine spezielle Band. Früher baute jedes neue Mitglied sein eigenes
Instrument. Durch probieren und dranbleiben lernten sie, Pans zu bauen.
Heinz Gränicher lernte selbst tunen. Von Sabina Schärer

Panyard (P): Wie entstand die Idee, eine Steelband zu gründen?
Heinz Gränicher (H): Ursprünglich wollten wir als Clique für die Fasnacht
etwas machen. Guggenmusik Gruppen gab es schon viele, das hatte keinen Wert.
Wir wollten etwas Spezielles. Zuerst dachten wir an Handörgeli. Da kam an
einem späten Abend plötzlich die Idee, Pans zu bauen. Diese Idee habe ich
mit ein paar anderen Lehrern zu verwirklichen versucht.
P: Habt ihr das Instrument schon gekannt?
H: Nein, wir hatten eigentlich keine Ahnung. Wir hatten auch noch nie ein
Pan gehört. Wir wussten nur, dass wir Fässer brauchen. Also haben wir bei
Motorex Fässer irgendwelcher Art geholt, mit Hämmern runter schlagen und
Beulen gemacht, wie wir es auf einem Bild gesehen hatten. Dann haben wir die
Felder abgetrennt.
P: Wusstet Ihr nicht, dass es in der Schweiz damals schon Tuner gab?
H: Wir waren einmal bei Sam Graf in Lyss, der gab uns aber keine Auskunft.
Wir waren auch bei Ralph Richardson in Zürich, der sagte nur: Ihr nehmt
einen 10kg Hammer und hämmert, also haben wir es selbst versucht. Die Pans
machten aber nur "dum dum".
P: Wann habt ihr das erste Mal gespielt?
H: An der Fasnacht 1981 haben wir zu dritt auf Pans mit acht Tönen und einem
Radiator als Rhythmusinstrument gespielt. Ich habe die verschieden grossen
Beulen so gestimmt, dass wir eine Melodie spielen konnten.
P: Wie seid Ihr weitergekommen?
H: Wir hatten zu leichte und zu dünne Fässer die schnell gerissen haben,
also holten wir bei Motorex russische Fässer. Ich bin dann durch Zufall
weitergekommen. Einmal wurde ich wütend und schlug den ganzen Ton hinunter,
da hat er plötzlich geklungen. Ich erfuhr auf diese Weise, dass der Ton
wieder geglättet werden muss. Durch dieses Erlebnis kam ich wieder weiter.
P: Wie habt Ihr die Pans behandelt?
H: Ein Spengler erzählte uns, wir sollten sie über einem Feuer mit viel
Kohlenstoff Härten. Das versuchten wir. Einmal erhitzten wir das Fass mit
einem Schweissbrenner, um es warm herunter zu treiben, dies hat jedoch
nichts gebracht. Wir probierten viel aus und so lernten wir auch immer
wieder dazu.
P: Hast Du nie daran gedacht, andere Bands zu stimmen?
H: Ich bin auch schon angefragt worden, doch die Zeit reichte mir nicht. Ich
hatte genug mit den eigenen Instrumenten zu tun. Ich habe immer noch kein
System um Pans zu stimmen. Ich brauche das Klavier, mein Gehör und zur
Sicherheit ein kleines Stimmgerät. Als wir mit unserer Band 1988 nach
Trinidad reisten, wollte ich dort einem Tuner beim Stimmen zuschauen, doch
ich kam nicht an sie heran.
P: Was hat Dir die Energie gegeben, Pans in der Freizeit zu bauen?
H: Das Interesse und auch eine gewisse Sturheit. Manchmal brauche ich einen
ganzen Tag für einen einzigen Ton. Man muss verbissen, ja vergiftet sein,
und das bin ich schon ein bisschen. Es braucht viel Geduld und man muss
versuchen und wieder versuchen.
P: Jedes Bandmitglied hat sein eigenes Instrument gebaut?
H: Früher war das so, dies gab natürlich einen guten Zusammenhalt in der
Gruppe. Wir haben einen Tag zusammen gehämmert, jeder wusste wie ein Pan
gebaut wird, und am Abend gab's ein Fest.
P: Heute nicht mehr?
H: Es gibt mir zuviel zu tun, darum kaufen wir die Melodiepans in Trinidad.
Die Begleitpans auf denen wir spielen, sind jetzt schon sieben Jahre alt.
Bei uns gibt es Melodiefässer, Begleitfässer, Cello und Bass. Die Pans die
ich baute hatten irgendeine Tonanordnung, da mussten wir immer wieder
umlernen. Ich erfuhr erst vor fünf Jahren vom Quintenzirkel.
P: Wie sieht die Zukunft aus?
H: Wir wollen die Band verbessern. Ich habe ein neues Cello gebaut, nun
haben wir auch einen neuen 6er Bass. Ich habe selbst nicht soviel Zeit zum
stimmen, aber ich bleibe sicher dran, denn ich bin nach wie vor angefressen.
P: Vielen Dank und viel Glück.
|
|
|