Pankultur?
Kommentar zur Schweizer Panszene von Felix Rohner

Dass mit dem Steelpan nicht nur ein Musikinstrument, sondern ein
Kulturgegenstand mit aktueller Geschichte in die Schweiz kam, zeigt sich in
den vielfältigen Ausprägungen der Steelbands in der Schweiz. Es sind in der
Mehrzahl eine Art autonome Musikschulen entstanden. Da das Instrument eine
kurze Geschichte (anfangs der vierziger Jahre entstanden) aufweist, bot und
bietet es einen enormen Freiraum, wo sich neuartige musikalische
Ausdrucksweisen und sozial erstaunliche Vereinigungen ergeben konnten, und
bald monatlich von neuem ergeben. Die Bands sind durchwegs Ansammlungen von
unterschiedlichsten Menschen, die einen neuen Zugang zur Musik suchen und
auch finden. Man kann von Musikschulen sprechen, weil neue Wege gefunden
werden müssen über musikalische Angelegenheiten zu kommunizieren. So können
ganz unterschiedliche Notationen der Musik gefunden werden. Es entwickeln
sich auch verschiedene Musikstile, wo versucht wird, das Steelpan in
herkömmliche Musikarten zu integrieren: Volksmusik und Schlager, Jazz, Rock,
klassische Musik, sakrale Musik, so genannte U-Musik (Evergreens, Pop) usw.
Einige Bands haben sich um die Musik Trinidads bemüht, sind zu den Wurzeln
des Steelpans geflogen und haben mit den Einheimischen gespielt (das erste
Mal 1991 die Berner Ölgesellschaft mit dem Trinidad Casablanca Steel
Orchestra am Panorama in Port-of-Spain).
Betrachtet man die Verteilung der Steelbands in der Schweiz, so fällt auf,
dass es sich vorwiegend um ein Phänomen in der mittelländlichen Zone
handelt, mit Schwerpunkten in den grossen Städten. Anzeichen deuten auf eine
weitere Verbreitung in die französische Schweiz und in den Süddeutschen
Raum. Gerold Lothmar, Ethnologe und Psychologe, spiegelt das Phänomen in der
psychoanalytischen Dimension und kommt zum Schluss, dass das Pan in der
deutschen Schweiz falsch rezipiert worden ist und zur Kompensation
mangelnder Identität und Lebensäusserung dient. Andere sehen die deutsche
Schweiz als optimaler Ort, wo Fremdes eine Chance hat, sich mit
Herkömmlichem zu mischen.
Auf jeden Fall erregt das Auftauchen der neuen Klänge Aufsehen und wird von
den Medien wahrgenommen, wenn auch nicht diskutiert. Vorwiegend wird es als
exotisches Phänomen beschrieben und den so genannten heissen Rhythmen
zugeordnet sowie mit den klischeehaften Attributen der Karibik geschmückt.
Dass das Pan schon in Therapie und Schule Einzug gehalten hat und
ausgebildete Musiker sich damit ernsthaft zu beschäftigen beginnen, deutet
darauf, dass wir es nicht mit einer Mode zu tun haben.

Obige Schweizerkarte zeigte die verschiedenen Schweizer Steelbands und deren
ungefähren Standorte. Die Karte erhob keinen Anspruch auf Vollständigkeit
und geographische Richtigkeit. Es wurde unterschieden zwischen Jugendbands,
Bands in Heimen und Erwachsenenbands. Zur Erinnerung an die vielen
fantasievollen Bandnamen, hier als Liste in zufälliger Reihenfolge:
Evolution, Fassa Morgana, Tropical Breeze, Panoptiker, Los Minigugos,
Steelband Munot Pans, Olio Fasso, Tobago Rhythm Kids, Pan Vino, Profisorrya,
Marzipan, Marabu, Panaché, London Surprise, Kebabaluba, Kaleidoscope, Hot
Bananas, Harmony in Steel, Fassmusig Hot Sticks, Steel Harmonites,
Fassigslos, Rhythm & Steel, Sandflöö, Stahlchäfer, Barril Sanidos, A Feel
for Steel, Barrel Drummers, Berner Oelgesellschaft, Bodelos, Caribbean,
Buccaneers, Coco Bahia, Steelwork, Confetti,
Ton-o-Pan, Dorfspatze
(Nachtrag; mit Sicherheit kann gesagt werden, dass folgende Bands auf der
Karte fehlten: Sounds of Steel, Steel Magic, Pfanne Steel Band, Rhapsody in Steel, No
Panique, Steelistics, Tartarugas, Frangipani, Pantaloni, Schlüdigürbel Hot
Pan Burgers, Fire Fighters, Barrel Symphony, Futura, Pantasia, Womenfield
Ltd., Steel & Trash, Crazy Bees, Extempo, Karibikschwärmer, Fassduubeli,
TuSo, Zebra, Stadlers Family Groove,
aber auch diese zusätzliche
Liste erhebt absolut keinen Anspruch auf Vollständigkeit)
|
|
|