Die schweizerische Pankultur-Geschichte 1976-1988
Ende der siebziger Jahre erreichte das Pan, von Trinidad aus, die Schweiz.
Seither haben sich viele Formationen gebildet. Das Pan wird nun auch hier
gebaut. Ein kurzer Abriss der Geschichte des Steelpans in der Schweiz
von
Felix Rohner, Tuner

Das Steelpan war bis Ende der siebziger Jahre in der Schweiz weitgehend
unbekannt. Es trat sporadisch in renommierten Hotels in Erscheinung, in Form
von Kleinorchestern bestehend aus Musikern aus England, wo es seit den
fünfziger Jahren in Exiltrinidader-Kreisen eine rasante Entwicklung nahm. Ab
und zu waren aber auch grössere Bands an Festivals oder Stadtfesten
(Bernfest 1976) aufgetaucht.
Das Steelpan kam erstmals im Jahre 1976 in die Hände von Schweizer
Musikanten. Panbauer aus London, vorab Michael 'NatC' Contant der die englischen
Schulen belieferte, brachte dieses Instrument nach Zürich, wo es in
Guggenmusikkreisen als Alternative sofort aufgenommen wurde. Da jedoch das
Pan in herkömmlichen Guggenformationen unterging, formierte sich schon bald
die erste Zürcher Steelband (Tropenfieber). Dies war der Anfang der raschen
Ausbreitung des Steelpans im Raume Zürich. Die Pans, vor allem
Round-the-Neck Steelpans, geeignet im Gehen zu spielen, wurden zu
durchschnittlichen 800 bis 1000 Franken an Interessenten abgegeben.
Mittelsmänner waren Leute aus betuchten Zürcher Kreisen, die oft nach London
flogen und so für Nachschub sorgten.
Im gleichen Jahre, 1976, tauchte das Steelpan auch in Bern auf.
Hier beschloss Alex Santschi (heute Pantasia Steelband) und ich, den Versuch
zu wagen, selbst ein solches Instrument zu bauen. Schon nach kurzer Zeit
legten weitere Freunde Hand an die Ölfässer, und wir gründeten die Berner
Ölgesellschaft (1977). Die Berner Panszene entwickelte sich unabhängig von
Zürich, da in Bern keine Fasnachtskultur gepflegt wurde.
Boom in den achtziger Jahren
Anfangs der achtziger Jahre ging der Boom erst richtig los. Durch Abgänge
aus den ersten Bands entstanden in Zürich weitere Round-the-Neck Bands.
Neugründungen waren dank Unterstützung von eingereisten Trinidadern (z.B.
Mike Cazaubon, Karibikschwärmer Biel, Ralph Richardson, Evolution Zürich),
die den Leuten die Pans an Ort und Stelle herstellten, möglich. Das Pan
fasste Fuss in der traditionsreichen Innerschweizer Fasnachtsszene, ebenso
in der Stadt Basel. Mitte der achtziger Jahre waren schon zirka 30 Bands
gegründet worden, unterdessen auch solche, die die Instrumente auf Ständern
spielten. Im Raume Bern gelangte das Pan dank der Möglichkeit des Eigenbaus
im Werkunterricht schon bald in die Schulen (Steffisburg, Ins).
Auch tauchte es nun in ländlichen Gebieten auf, wie z.B. im Zürcher
Umfeld, im Glarnerland, oder im Seeland (Lyss), wo Michael Graf, ein
ehemaliger Oelgesellschafter, Instrumente herstellte und so eine grosse
Musikgesellschaft aufbauen konnte. Als Seklehrer hatte auch er die
Gelegenheit das Pan in die Schule zu tragen, wo es in Lyss noch heute
gespielt wird.
Zwischen Schule und Kommerz
Die Instrumente, die im Raume Zürich verkauft wurden, stammten vorwiegend
aus den Händen von Michael 'NatC' Contant, Tony Charles, Bertrand Parris, alles Tuner
aus London. Sie pflegten ab und zu nach Zürich zu fliegen, um die
Bandinstrumentarien zu stimmen.
Andy Narell brachte 1981 ein Set Pans von Ellie Mannette aus New
York mit, das er der Ölgesellschaft verkaufte. Dies ermöglichte mir das
Studium an Meisterwerken und so konnte ich im Panbau massive Fortschritte
erzielen.
Durch Unterstützung des Ideentopfes der Stadt Bern und des Gfellerfonds, konnte im Herbst 1985 die erste Kinder-Steelband ins Leben
gerufen werden. Sie hiess Nägeligass Steelband und fusionierte 1989 mit der
Ölgesellschaft.
1988 begutachtete die Erziehungsdirektion des Kantons Bern die
Panarbeit mit den Jugendlichen und empfahl der Lehrerfortbildung
Anstrengungen zu unternehmen, dieses Instrument in die Schulen zu tragen.
Michael Graf aus Lyss gab über Jahre hinweg Lehrerfortbildungskurse.
Interessierte Lehrkräfte tauchten in meiner Steelpan-Manufaktur auf, da ich
unterdessen hauptberuflich Pans herstellte.
Durch Eigenbau mit den Klassen aus Primar- und Sekschulen
entstanden so bis heute ein Dutzend Schülerbands im Kanton Bern und im
Aargau. Auch in Heimen wurde das Pan gespielt.
In Zürich eröffnete Matthias Kauer 1984 einen Laden für Paninstrumente
"Panorama" genannt. Ihm folgte Walter Streuli 1987 mit seiner "Steel Connexion".
Durch die Möglichkeit, Steelpans zu kaufen und sich beraten zu
lassen, stiegen die Nachfrage und die Preise.
Erstes Nationales Festival
1987 fand in Bern das erste Nationale Steelbandfestival statt. Zwei Dutzend
Bands aus der ganzen Schweiz spielten in der Berner Altstadt. Solche Treffen
von Bands folgten Schlag auf Schlag in allen Ecken der Schweiz.
Um die Kommunikation unter den Bands zu verbessern, wurde 1984 eine
Vereinigung ins Leben gerufen, die ein paar Mal im Jahr ein
Informationsblatt "PAN NEWS" herausgibt und den eingeschriebenen Bands
verkauft. Die Delegiertenversammlungen wurden in den letzten Jahren spärlich
besucht, auch die diskutierten Themen zeigten, dass die Szene enorm
gefächert ist. Trotzdem konnte beispielsweise aus dem Erlös vom ersten
Steelbandfestival ein Fonds zur Förderung von jungen PanspielerInnen
eröffnet werden.
"Pan is here to stay."
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Cudrefin Festival
Die Steelband Pampanas aus Cudrefin, die erste Steelband der Romandie,
präsentierte in Zusammenarbeit mit der IG JPCH das Pan in der Romandie.
Am
28. August 1993 fand in Cudrefin am See ein Sommernachtspanfest statt.
Unter
anderem war auch das Fernsehen anwesend.
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